wilhelm-jaruska-portrait
Wilhelm Jaruska

Geboren am 26.07.1916 in Wien Ottakring
Gestorben am 02.12.2008 in Wien

Kunstgewerbeschule in Wien
Akademie der bildenden Künste in Wien
bei Prof. A.P. Gütersloh
Professor an der Höheren Graphischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt in Wien

Arbeitsgebiete

  • Graphik, Design, Malerei
  • Plakate, Wandmalerei
  • Kinderbuch-Illustrationen
  • Mosaike, Beton-Glasfenster

 

Auszeichnungen und Preise

  • 1956 Illustrationspreis der Stadt Wien
  • 1958 Hans-Christian-Andersen-Preis in Florenz
  • 1963 Illustrationspreis der Stadt Wien
  • Förderungspreis für Illustration des BM für Unterricht und Kunst
  • 1958 – 1975 Jahres- und monatsbeste Plakate der Stadt Wien 
  • 1958 – 1975 Plakatpreise der Gewista
  • 1970 Preis der Stadt Wien für Angewandte Kunst
  • 1982 Ehrenmedaille in Silber der Stadt Wien

Ausstellungen

  • 1960 Malerei und Graphik, Litschau im Waldviertel
  • 1971 Gesamtwerkschau im Österreichischen Museum für Angewandte Kunst, Wien
  • 1972 Zeichnungen aus Frankreich, Galerie im Pressehaus, Wien Malerei und Graphik, Siemenshaus in Erlangen, Deutschland
  • 1978 Malerei und Graphik, Litschau im Waldviertel
  • 1979 Malerei und Graphik, Galerie Würthle, Wien
  • 1983 Malerei und Graphik, Galerie 83, Unterloiben, NÖ
  • 1984 Malerei und Graphik, General Motors Austria, Wien Aspern Malerei und Graphik, Österreichische Länderbank, Wien
  • 1985 Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen, Ölbilder und Druckgraphik, Fernmelde Monteurschule, Wien
  • 1989 Malerei und Graphik „Land um Litschau“, Litschau im Waldviertel
  • 1991 Malerei und Graphik, Akte, Litschau im Waldviertel
  • 2016 Malerei und Graphik „Lebenswelten“, Schloss Hunyadi, Maria Enzersdorf
  • 2018 Malerei und Graphik „Litschauer Landschaftswelten“, Litschau
  • 2019 wikam Frühjahrsmesse im Palais Ferstel
  • 2019 Art Austria Palais Lichtenstein
  • 2019 Wilhelm Jaruska in der Galerie Widder

Div. Ausstellungbeteiligungen in Wien (Freie Malerei in der Secession), Kinderbuchillustrationen im Klingspormuseum (Deutschland) sowie bei der Europalia in Namur und Mechelen, in der Dominikanerkirche Krems sowie auf Schloss Grafenegg, Plakate in Wien (heute im Besitz der Österreichischen Nationalbibliothek), Mailand, Warschau, Helsinki und Prag, etc.

Reisen nach Südfrankreich, Kroatien (Istrien), Italien und Holland.

Architektonischer Entwurf und künstlerische Gestaltung der Gehörlosen-Kapelle in Loimanns bei Litschau im Waldviertel (erbaut 1984).

Wilhelm Jaruska, hat der Österreichischen Nationalbibliothek fast alle von ihm entworfenen Plakate überlassen. Die Plakate sind über die Bilddatenbank der Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung abrufbar.

2016 wurden 12 Werke in die Sammlung Wien Museum (Karlsplatz) aufgenommen.

„Ein Maler, der malen kann und ein Zeichner, der zeichnen kann: man trifft den einen wie den anderen nicht allzu oft. Noch seltener trifft man die beiden in einer Person. Jaruska beherrscht auf anschauliche Weise die Kunst, aus dem vollen zu schöpfen, ohne sich zu verausgaben und in jeder neuen Arbeit ganz da zu sein.

Jaruska ist einer, der einem nach jeder Wegbiegung den Blick in eine völlig neue Landschaft freigibt. Es lohnt sich, ihn zu begleiten und sich immer wieder ein neues Bild von seinen Bildern zu machen. Seine Kunst ist so eindringlich und seine Bilder sagen so viel, dass man neben ihnen gar nicht zu Wort kommt, man ist überstimmt.

Seine Bilder sind keine Wiedergaben von etwas Geschautem, es sind Gaben aus erster Hand. Bei einem, der das Handwerkliche in so vielen künstlerischen Techniken beherrscht wie Jaruska, könnte man leicht übersehen, welcher Meisterschaft es bedarf, etwas mit leichter Hand zu Papier zu bringen, das Gewicht hat. Jaruska geht so vielschichtig und vielseitig an jedes künstlerische Problem heran, dass seine Aussagen immer umfassend und bereichernd sind.

Jaruska malt seit mehr als 60 Jahren. Was er im Auge hat, das hält er fest und das entkommt ihm nur auf die Leinwand oder auf das Papier. Es ist ein großer Schwung und eine große Ruhe in seinen Bildern. Jaruska ist älter geworden, doch seine Bilder sind jung geblieben.“

(Helmut Kuhn † , Zitat aus 1997)

„ … Nicht in den Zeittendenzen wie Abstraktion, Phantastik oder Deformation sah er bestimmende Gestaltungskräfte, sondern in der Wiedergabe in graphischer Strenge und Exaktheit sowie in der Verwendung von leuchtenden, glühenden Farben in flächenhafter Großzügigkeit. So war Jaruska zwischen 1953 und 1975 auch einer der bedeutendsten Plakatkünstler in Österreich (ein Großteil dieser Arbeiten befindet sich heute im Besitz der Österreichischen Nationalbibliothek) …“

(Prof. Dr. Wilhelm Mrazek † , von 1968 bis 1978 Direktor des Museums für Angewandte Kunst)

Wilhelm Jaruska ein Expressionist der Gegenwart  

von Prof. Dr. Wilhelm Mrazek 1985

Der Aufbruch zur Moderne setzte in Wien um 1900 vehement ein. Drei Institutionen nämlich Secession, Klimt-Gruppe und die Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie waren es, die die Entwicklung nicht nur initiierten, sondern auch bis in die dreißiger Jahre hinein trugen und förderten.

Alle diese Künstler waren der Überzeugung, daß Kunst keine Feiertagsangelegenheit und auch kein Reservat für eine Elite ist, sondern etwas, das das ganze Leben gestaltend durchdringen muß. Aus einer solchen Einstellung heraus wendeten sie ihr Augenmerk auch auf die sogenannten Kleinkünste und auf das Kunstgewerbe, die dadurch eine einmalige Blütezeit erlebten.

Ein Gustav Klimt scheute sich nicht, Entwürfe für die Kleider seiner Lebensgefährtin Emilie Flöge zu zeichnen, ein Egon Schiele nicht, Postkarten für die Wiener Werkstätten zu liefern, und ein Oskar Kokoschka betätigte sich als ehemaliger Schüler der Kunstgewerbeschule als Entwerfer für Gobelins, Fächer und Postkarten sowie als Illustrator für Bücher, deren aufsehenerregende Texte er selbst verfaßt hatte.

Aus diesem Bestreben, die graphischen Kleinkünste auch in den Dienst des täglichen Lebens zu stellen, entwickelte sich in den ersten Jahren nach dem ersten Weltkrieg der eigene Berufszweig des sogenannten Gebrauchsgraphikers als eine Spezialisierung des akademisch gebildeten Malers. Die Nachkriegsjahre, in denen große Aufträge für die freien Künste fehlten, begünstigten diese Entwicklung.

wilhelmjaruskaWilhelm Jaruska – Jahrgang 1916 – ist einer jener Künstler, den die Zeitverhältnisse veranlaßten, dem Ruf der weltberühmten Graphischen Lehr – und Versuchsanstalt in Wien zu folgen, wo er viele Jahre als Lehrer tätig war. Seine Ausbildung hatte er an der Wiener Kunstgewerbeschule und der Akademie der bildenden Künste in den dreißiger Jahren erfahren. Die Ungunst der Zeitverhältnisse, dann der Kriegsdienst und die Brotarbeit in den ersten Nachkriegsjahren verhinderten für lange Zeit eine freie schöpferische Tätigkeit als Maler.

Erst in den fünfziger Jahren entstanden dann wieder bemerkenswerte malerische Arbeiten. Aber jetzt existierte jene Welt nicht mehr, die einstens dem zwanzigjährigen Künstler den Stoff für seine Arbeiten geliefert hatte: Die mitfühlend erfaßten „Wiener Typen“ waren ausgestorben und die Poesie der Schrebergärten durch Betonbauten verdrängt. Die Tristesse der Vorstädte und deren soziale Problermatik waren verschwunden.

Die neue Zeit hatte alle bisher gültigen Verhältnisse verändert, sodaß die Vorbilder für seine bisherige Bildthematik nicht mehr existierten.
In dieser Situation entdeckte Jaruska jedoch die Welt, in der er alles das wiederzufinden glaubte, was ihn einst zu seinen Bildern bewogen hatte: in den industriell unterentwickelten und vom Wohlstand noch nicht erreichten Gebieten fern der Großstadt.

Im Burgenland, in Niederösterreich, im Marchfeld, im Wein- und Waldviertel, in den verschlafenen Kleinstädten, Dörfern, Streusiedlungen, in Einzelhöfen lebten in verwandelter Form die Posie der Schrebergärten und die leise Trauer und Melancholie der Vorstadtgrenzen. In den alten Häusern mit ihren breiten Toreinfahrten und den moosbeckten schützenden Dächern, in den alten, weißgekalkten Fassaden mit dem dunklen Lattenzaun davor und den kleinen unregelmäßigen Fenstern, die im Sommer die dahinter liegenden Räume vor der Hitze schützen und im Winter die Kälte abhielten.

In den uralten bergenden Holzscheunen, die mit bäuerlichem Gerät und Handwerkzeug gefüllt waren, in allen diesen Verhältnissen sah Jaruska nicht (nur) Altes, das überholt und wert wäre, vernichtet zu werden, sondern er entdeckte darin humane Qualitäten, deren Poesie nur eine Bereicherung für die von Technik durchdrungene Gegenwart darstellte.

In der großen Einheit von menschlicher Siedlung und ursprünglich belassener Landschaft, von Natur und Menschenwerk, erblickte er jene unverstellte Wirklichkeit, die er in allen seinen Arbeiten angestrebt hatte. Nicht in den Zeittendenzen von Abstraktion, Phantastik oder Deformation sah er bestimmende Gestaltungskräfte, sondern in der Wiedergabe in graphischer Strenge und Exaktheit sowie in der Verwendung von leuchtenden, glühenden Farben in flächenhafter Großzügigkeit.

Sie lassen Wilhelm Jaruska als einen Vertreter eines besonderen österreichischen Expressionismus erkennen, dessen Wurzeln in den Werken der Meister vom Beginn der Moderne – Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka – liegen.

 

Und wenn ich einmal gestorben bin, dann pflanzt einen Lorbeerbusch auf meinem Grab, aber einen wilden Lorbeer bitte! (Wilhelm Jaruska 1916 bis 2008